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Die Welt

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Die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen

 

Verena Janßen entschlüsselt Arbeitszeugnisse - Hinter netten Phrasen verbirgt  sich oft Vernichtendes

Von Jörn Lauterbach

Wenn Verena Janßen zwischen den Zeilen liest, machen ihre Kunden oft große Augen. Denn das Schriftstück, das sie zur Untersuchung mitgebracht haben, haben viele bis zu diesem Moment für weit positiver gehalten, als es tatsächlich ist: 62 Prozent aller Arbeitnehmer, so das Ergebnis von Befragungen, lesen ihre Arbeitszeugnisse durch eine rosarote Brille. "Dabei sind gerade diese paar Zeilen und bestimmte Redewendungen die Chancenkiller Nr. 1 bei jeder Bewerbung", weiß Verena Janßen. Die Harburgerin hat - nach eigenen Angaben als erste Deutsche überhaupt - aus den trickreich formulierten Sätzen einen Beruf gemacht: Die "Veja Zeugnisberatung" analysiert Arbeitszeugnisse gegen Honorar.

"Zur vollsten Zufriedenheit...", "hat sich stets bemüht...", "wir wünschen viel Erfolg im weiteren Berufsleben" - auf den ersten Blick, so Janßen, klinge das alles ja gar nicht so schlecht. Doch die Geheimnisse der Zeugnissprache werden von den Personalchefs und Abteilungsleitern als ungeschriebene Gesetze "vererbt" wie der Geheimcode der Spione. Die Dechiffrierung wurde bei "Veja" jetzt zum guten Geschäft: Monatlich werden in Deutschland rund eine Million Arbeitszeugnisse ausgestellt, rund 80 Kunden wenden sich im Monat an die Harburger Beratungsfirma.

69 Mark verlangt die Geschäftsführerin, die Betriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Politik studierte, pro Zeugnis für das Übersetzen der typischen Phrasen. Dafür bekommt der Kunde rund drei Seiten Interpretationen, die Schwachstellen und Ungereimtheiten aufzeigen. "Viele Arbeitnehmer haben nicht die Zeit oder Lust, mit Hilfe von Büchern, die schon lange auf dem Markt erhältlich sind, das Zeugnis mühselig selbst zu entschlüsseln", so Janßen.

Als wichtigste aller Andeutungs-Techniken nennt die Beraterin die "Wohlwollenden Formulierungen". So könne die Aussage "Er erledigte seine Aufgaben immer ordnungsgemäß" auf einen Bürokraten hinweisen, während die Formulierung "Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen" so ausgelegt werden könne, daß der betreffende Kollege eben nicht besonders geschätzt wurde.

"Besonders subtil", so Janßen, "ist die Leerstellen-Technik". Der ungeübte Leser wisse nicht genau, welche Aussagen im Zeugnis zu finden sein müssen, zumal diese zum Teil sehr berufsspezifisch seien: "So darf bei einer Kassiererin nicht der ausdrückliche Hinweis auf ihre Ehrlichkeit fehlen oder bei einer Führungskraft nicht die Bestätigung der Loyalität."

Als ein Beispiel aus ihrer Praxis führt Verena Janßen gern "den Fall Klaus F." an. In seinem Zeugnis fand sich die verheißungsvolle Formulierung: "Er erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse. Wegen seiner Pünktlichkeit war er den Kollegen stets ein gutes Vorbild". Die Aussichten auf einen neuen Job schienen rosig, doch die ersten 80 Bewerbungen landeten alle wieder in seinem Briefkasten. "Denn tatsächlich", so die Beraterin, "war die wohlklingende Formulierung alles andere als wohlmeinend. Sie bedeutet nichts anderes, als daß Klaus F. im Arbeitsleben eine Niete ist." Wer in der Beurteilung nichts anderes als die Pünktlichkeit hervorhebe, wolle sagen, daß der Angstellte in allen anderen Bereichen eine Niete sei.

Die Formulierungen in den Zeugnissen darf der Arbeitnehmer nicht unterschätzen, so Janßen. "Sie begleiten einen durch das gesamte Berufsleben hindurch und sind wichtige Elemente für eine erfolgreiche Karriere." In einer angemessenen Frist können die Schriftstücke reklamiert werden, es besteht ein Anspruch auf Berichtigung, wenn Aussagen im Zeugnis zweifelhaft sind oder insgesamt ein falsches Bild vermittelt wird. Nicht immer sei dabei die böse Absicht des Chefs der Grund für das miese Zeugnis: "Viele Arbeitgeber sind selbst unsicher, meinen es nett und schreiben doch das Falsche."

 

Rhein Zeitung

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Zeugnis lesen - Nuancen beachten

Monatlich werden etwa eine Million Arbeitszeugnisse ausgestellt. Diese wirken sich wesentlich auf den weiteren Berufsweg des Zeugnisempfängers aus. Kaum ein Mitarbeiter ist jedoch in der Lage, sein Zeugnis genau zu überprüfen. Nur wer die Zeugnissprache in all ihren Feinheiten beherrscht, kann das zwischen den Zeilen Geschriebene richtig interpretieren. Die Hamburger Firma Veja-Zeugnisberatung bietet einen Interpretationsservice an, der eingesandte Zeugnisse analysiert und "übersetzt". Die Resonanz auf diese Leistung ist, nach Darstellung der Firma, enorm.

 

Hannoversche Allgemeine

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Das Zeugnis richtig lesen

Fragen an: Verena Janßen, Inhaberin der Veja-Zeugnisberatung in Hamburg

Welche Tricks verwenden Arbeitgeber bei der Formulierung von Zeugnissen?
Es geht nicht um Tricks. Es dürfen in einem Arbeitszeugnis nur wahre, jedoch wohlwollende Formulierungen verwendet werden. Das ist die Grundregel, die jeder kennen sollte. Abstufungen im Positiven zeigen dann, was wirklich gemeint ist.

Bitte ein Beispiel.
Am bekanntesten ist der taktische Sprachgebrauch der Zufriedenheitsformel. Fast jeder weiß, daß Aussagen wie "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" eine sehr gute und "zu unserer vollen Zufriedenheit" eine befriedigende Beurteilung darstellen.

Ist "zur vollsten Zufriedenheit" nicht sogar falsches Deutsch?
Wenn ein Arbeitgeber diese Formulierung nicht wählt, dann tut er es sicher nicht, weil ihn linguistische Bedenken gekommen sind. Dieses Problembewußtsein kann er dem Zeugnisleser nicht einfach unterstellen. Heißt es in korrektem Deutsch "stets zur vollen Zufriedenheit", dann ist das also nicht ein "sehr gut", sondern nur das "gut". Es gibt allerdings auch Alternativformulierungen, die eindeutig sind, beispielsweise "stets sehr gut", "immer außerordentlich zufrieden", "jederzeit unsere Erwartungen in allerbester Weise erfüllt".
Aber niemand sollte den Fehler machen, sich auf diese Floskel zu fixieren. Man übersieht dabei leicht versteckte nachteilige Aussagen. Um Streit zu vermeiden, verwenden Arbeitgeber diese Floskel häufig sehr großzügig. Sie relativieren dann jedoch deren Aussage durch mittelmäßige Bewertungen einzelner Leistungskriterien. Deshalb sollte niemand die Zufriedenheitsformel überbewerten und vielmehr immer den Gesamttext im Blick behalten.

Wie lesen denn Personalfachleute das Zeugnis?
Viele lesen zuerst den Schluß und messen diesem Teil damit eine große Bedeutung zu. So darf heute in einem guten Zeugnis neben den Zukunftswünschen ein Dank für die erbrachten Leistungen und ein Bedauern über das Ausscheiden nicht fehlen. Es lohnt sich also zu überprüfen, ob solch eine Formulierung vorhanden ist. Aber Achtung: Auch hier sind Abstufungen auf der Positivskala üblich.

Wie muß man den Text zwischen Einleitung und Schluß begutachten?
Es gibt eine Vielzahl von Techniken, etwas durch die Blume zu sagen. Bei der sogenannte Leerstellentechnik werden einzelne Wörter, Aussagen oder ganze Passagen weggelassen. Diese Taktik ist besonders subtil. Denn ungeübte Leser kommen von sich aus wahrscheinlich gar nicht drauf, daß bestimmte Äußerungen eigentlich im Zeugnis zu finden sein müßten, zumal sie zum Teil berufsspezifisch sind. So darf beispielsweise bei einer Kassiererin nicht der ausdrückliche Hinweis auf Ehrlichkeit fehlen oder bei einer Führungskraft nicht die Bestätigung der Loyalität. Auch die Reihenfolgetechnik setzt Vorkenntnisse voraus. Wenn es heißt: "Sein Verhalten zu Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich", so ist das in dieser Form eine befriedigende Bewertung. Würde der Vorgesetzte an erster Stelle genannt, wäre es hingegen eine gute Beurteilung.

Wann wird ein Zeugnis zum Chancenkiller?
Wenn Ungereimtheiten vorkommen, auch wenn sie vom Aussteller gar nicht gewollt sind. Unachtsamkeit und Unwissenheit sollten ausgeschaltet werden, indem man das Zeugnis genau unter die Lupe nimmt und sich von wohlklingenden Formulierungen nicht korrumpieren läßt. Zwei von drei Zeugnisempfänger bemerken negative Aussagen nicht; sie halten ihre Arbeitszeugnisse für besser als sie wirklich sind. Deshalb empfiehlt es sich, wenn man selbst unsicher ist, einen Profi hinzuzuziehen - wenn man nicht eines der fast unzähligen Bücher studieren will, die es im Buchhandel dazu gibt.

Mit Verena Janßen sprach Ralf-Günther Münchow

 

Karriereführer

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Die Dechiffrierung von Arbeitszeugnissen
Verena Janßen studierte Betriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg. Sie ist Inhaberin der Hamburger VEJA ZEUGNIS- BERATUNG, Agentur für die Interpretation und Formulierung von Arbeitszeugnissen.

 

Kölner Stadtanzeiger

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Trotz Fleiss kein Preis

Nicht alle wohlklingenden Arbeitszeugnisse sind wohlmeinend. Agentur hilft Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf die Sprünge. “Er erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse.
Wegen seiner Pünktlichkeit war er den anderen stets ein gutes Vorbild.”
Die Bewertung klang vielversprechend, fand Klaus F., und die Aussichten, bei einer neuen Firma eine bessere Chance und eine viel
bessere Entlohnung zu bekommen, schienen rosig. Doch irgendwie wollte sich für Klaus F. der Erfolg nicht so recht einstellen. Mehr als 80
Bewerbungen hatte er geschrieben - doch in seinem Briefkasten landeten statt der erhofften Einladungen zum Vorstellungsgespräch nur Absagen.
Manchmal noch nicht einmal die. Die wohlklingenden Formulierungen, die ihm sein Arbeitgeber zum Abschied mit auf den Weg gegeben hatte, waren - das erfuhr er erst viel später - alles andere als wohlmeinend: Sie
bedeuteten nichts anderes, als daß Klaus F. im Arbeitsleben eine Niete
ist. “Wer in der Beurteilung eines Mitarbeiters nichts anderes als die
Pünktlichkeit hervorhebt, will sagen, der Angestellte sei in allen
anderen Bereichen ein Versager” sagt Verena Janßen. “Und wer ...
Fortsetzung folgt

 

Der Tagesspiegel

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Entschlüsselung - Die Firma Veja verrät, was wirklich in Arbeitszeugnissen steht

Arbeitszeugnisse haben ihre Tücken. Wer kein Insider ist, wird mit den verzwickten Sprachregelungen kaum etwas anfangen können. Hilfe bei der Interpretation bietet die Hamburger Firma Veja Zeugnisberatung. Der eingesandte Text wird hier analysiert und "übersetzt". ... Die Resonanz auf das Angebot ist nach Angaben des Unternehmens überwältigend. Viele Arbeitnehmer haben nicht die Zeit oder Lust, mit Hilfe von Büchern das Zeugnis mühsam selbst zu entschlüsseln. Allerdings wollen sie auch nicht darauf vertrauen, daß die meist positiv klingenden Beurteilungen tatsächlich unmißverständlich sind. In nicht wenigen Fällen erweisen Arbeitgeber ausscheidenden Mitarbeitern einen Bärendienst. Gerade in kleineren Firmen herrscht oft Unsicherheit bei der Formulierung von Zeugnissen. Manchmal wird der Mitarbeiter sogar gebeten, sein Zeugnis selbst zu schreiben. Auch diesen Service übernimmt Veja. Weitere Informationen sind unter 040 / 790 76 99 erhältlich.

 

Lausitzer Rundschau

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Zeugnisse auf dem Prüfstand

Etwa eine Million Arbeitszeugnisse werden monatlich ausgestellt und wirken sich wesentlich auf den weiteren Berufsweg des Beurteilten aus. Personalchefs und Unternehmer verstehen sich auf die Feinheiten der Dokumente und treffen ihre Wertung entsprechend. Der Mitarbeiter ist dazu nicht immer in der Lage. Ein Hamburger Unternehmen bietet seit kurzem Hilfe an, um auch das zwischen den Zeilen Geschriebene zu erkennen. Ein zugesandtes Zeugnis wird analysiert und übersetzt.

 

Westfalenpost

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Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann die Karriere verhindern.

"Geheimsprache" der Personalchefs ist oft ein unbewusster Bärendienst.

In mehr als 17.000 Fällen trafen sich im letzten Jahr Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor Gericht wieder, um über Arbeitszeugnisse zu streiten. Die Hamburgerin Verena Janßen will mit ihrer Zeugnisberatung "Waffengleichheit" zwischen Verfasser und Leser von Arbeitszeugnissen schaffen.

Bei Harald Weber flattert die Absage auf eine Bewerbung ein. "...tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ihre Bewerbung nicht unseren Anforderungen entspricht". Harald Weber ist fassungslos. Stand da doch in seinem Arbeitszeugnis von seinem Ex-Chef, dass er über Fachwissen verfüge ... fleißig und bemüht war ... ein belastbarer Mitarbeiter sei.
Verena Janßen kennt diese Formulierungen. "Je höher, je qualifizierter die Position, desto wichtiger die Beurteilung", sagt sie. Monatlich werden eine Million Arbeitszeugnisse ausgestellt. Wer Karriere machen will, der wechselt heute alle drei Jahre den Job. Das schlechte Arbeitszeugnis hat dabei selten "System". "Das ist manchen Personalchefs doch gar nicht bewusst, welche Steine sie mit einem schlechten Arbeitszeugnis ihrem Mitarbeiter in den Weg legen", sagt die Jung-Unternehmerin. Oftmals sei es Schludrigkeit und Unwissen der Verfasser.
"Harald Weber hatte immer ausgezeichnete Ideen, gab wertvolle Anregungen. Er ergriff selbständig alle erforderlichen Maßnahmen und führte sie auch entschlossen durch. Herr Weber ist ein außergewöhnlich belastbarer und ausdauernder Mitarbeiter, der auch unter schwierigsten Bedingungen alle Aufgaben bewältigte." Mit diesen Aussagen hätte Harald Weber wohl keine Absage erhalten. Doch in seinem Zeugnis stand: Herr Weber übernahm die übertragenen Aufgaben und führte sie unter Anleitung aus. Er war ein Mitarbeiter, der seine Aufgaben erfüllte und den Anforderungen gewachsen war. "Gegenüber neuen Aufgabenstellungen war er jederzeit aufgeschlossen", war im Zeugnis von Harald Weber außerdem zu lesen. Eine Formulierung, die iranisch wirkt und als Kritik aufgefasst wird. "Er war wenig flexibel und schnell überlastet", analysiert Janßen.
Gar schlimmer als das Geschriebene noch ist das Ungeschriebene, meint Verena Janßen. Das bewusste Auslassen - die Leerstellentechnik - von Beurteilungs-Kriterien. Beispielsweise das "beredte" Schweigen über das Kollegen- und Vorgesetztenverhältnis des Mitarbeiters oder das Erwähnen von Nebensächlichem. "Pünktlichkeit ist heute doch selbstverständlich. Wenn es erwähnt wird, kann das auch heißen: Es gab nicht anderes!"
"Es ist für mich befriedigend, die Waffengleichheit zwischen dem, der verschlüsselt und dem anderen, der entschlüsselt, herzustellen", sagt Verena Janßen, die für 69 Mark zwischen den Zeilen liest.
Einen Berichtigungsanspruch kann der Arbeitnehmer allerdings nur mit einem Fachanwalt durchsetzen, eine Rechtsberatung sind die Analysen von Verena Janßen nicht.

 

 
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